Einladung

Gedenkort ja – Senatsfinanzierung nicht vorgesehen!

2013 fand in Berlin das Themenjahr „Zerstörte Vielfalt 1933-1938“ statt.
Angeschoben durch bürgerschaftliches Engagement mit weiteren begleitenden Veranstaltungen wurde am 23. Mai 2013 eine Gedenk-Stele im Straßenland vor dem Haus feierlich installiert und lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit auf diesen geschichtsträchtigen Ort.

Die Besitzverhältnisse waren seit dem Ausscheiden des vormaligen Eigentümers, einer Mormonen-Gemeinde, seit Mitte 2011 rechtlich zu klären. Der jetzige Eigentümer Marc Brune erwarb die Immobilie im Mai 2015.
In Jahre 2015 sprachen sich die bezirklichen Gremien von Friedrichshain-Kreuzberg gegen das weiterführende „museale Gedenken“ an diesem authentischen Ort jüdischer Zwangsarbeit aus.

Die Initiative „Gedenkort Fontanepromenade 15“ gründete sich Ende November 2016 aus verschiedenen stadt-, geschichts- und erinnerungspolitischen Initiativen und der Stadteilinitiative „Wem gehört Kreuzberg“, als Reaktion auf die begonnene Bautätigkeit an diesem denkmalgeschützten Ort.

In einem Offenen Brief“ formuliert dieselbe ihre Forderung nach einem sofortigen Baustopp, der Rücknahme der Baugenehmigung und ihre gedenkpolitischen Vorstellungen für die ehemalige „Zentrale Dienststelle für Juden“ (1938-1943) in der Fontanepromenade 15.

Den authentischen Ort der Verwaltung „jüdischer Zwangsarbeit“ sahen sie in der Gefahr, dass er dem Gedenken und Erinnern entzogen und das Gebäude dadurch geschichtlich entsorgt würde. Die Stadtteil-Initiative trat für einen würdigen und geschichtsbewussten Umgang mit dem Gebäude durch die Öffentliche Hand ein.

Das „Arbeitsamt für Juden“ in der Fontanepromenade 15 mit dem Alleinstellungsmerkmal, eine Schnittstelle zwischen Juden-Verfolgung und Zwangsarbeit zu sein, war für die Berliner Gedenkstätten Landschaft nicht mit gedacht worden.

Die Initiative Gedenkort Fontanepromenade 15 wandte sich in Briefen an die politisch Verantwortlichen auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene und ging mit ihren Forderungen nach einer „Gedenkstätte“ in die interessierte Öffentlichkeit.

Die Schriftstellerin Inge Deutschkron, eine Zeitzeugin der „Schikane-Promenade“, wie die Fontanepromenade 15 von den Betroffenen auch genannt wurde, war von hier zur Zwangsarbeit bei IG Farben gezwungen worden. In ihrem „Offenen Brief“ an Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann und Kultursenator Klaus Lederer appellierte sie „sich dafür einzusetzen, dass dieses Gebäude eine Nutzung erfährt, die seiner historischen Bedeutung gerecht wird.“

Ein Gespräch der Gedenkorts-Initiative mit dem Eigentümer Marc Brune Anfang Januar führte zu seinem Angebot, eines der beiden entstehenden Büros für das Gedenken gegen Miete zur Verfügung zu stellen.

Beim ersten Gespräch in der Senats-Kulturverwaltung am 25. Januar 2017 wurden die Erarbeitung eines Konzeptes durch die Initiative Gedenkort Fontanepromenade 15 vereinbart. In mehrwöchiger Arbeit wurde das integrierte stadträumliche, pädagogisch-wissenschaftliche und künstlerische Konzept für einen Informations-, Forschungs- und Begegnungsort am 22. Mai beim Fachreferat des Senators für Kultur und Europa ausdrücklich inhaltlich begrüßt. Das Konzept wurde als wichtiger Baustein, der im Koalitionsvertrag vereinbarten Schaffung einer „Stiftung für Zwangsarbeit“ gesehen. Die konkrete Unterstützung der Finanzierung blieb jedoch wie beim ersten Gesprächstermin seitens des Senats leider wieder offen, obwohl dem Senat die Offerte des Eigentümers bekannt war. Das Land wird durch die Modernisierungsmaßnahme des Eigentümers von erheblichen Instandsetzungskosten für den notwendigen Gedenkort entlastet. Als Alternative schlägt die Initiative dem Land Berlin die Prüfung des Erwerbs des zur Miete angebotenen Gebäudeteiles vor, um ein dauerhaftes Gedenkens abzusichern.

Wir laden alle Interessierten zur Vorstellung des Konzeptes für den Gedenkort Fontanepromenade15 zu einer Informations-und Diskussionsveranstaltung ein.

Dienstag, den 6. Juni 2017, 19 Uhr, Nachbarschaftshaus Urbanstraße 21, 10961 Berlin-Kreuzberg (ÖPNV: Bus M 41, U 7, Südstern).

Konzept unterstützt

Presseinformation
Kultursenat unterstützt Gedenkort-Konzept Fontanepromenade 15
für das ehem. jüdische Arbeitsamt (1938-1943) in Berlin-Kreuzberg

Das Fachreferat des Senators für Kultur und Europa begrüßt das inhaltliche Konzept der Initiative Gedenkort Fontanepromenade 15 und sieht es als einen potentiellen Baustein, der im Koalitionsvertrag vereinbarten Schaffung einer “Stiftung für Zwangsarbeit“.
Das ergab ein Expertengespräch am 22.5.17 in der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa in Berlin-Mitte, wo die Initiative ihr integriertes stadträumliches, pädagogisch-wissenschaftliches und künstlerisches Konzept für einen Informations-, Forschungs- und Begegnungsort dem Senat vorstellte.
Die Konzeption umfasst einen Begegnungs- und Kommunikationsort für Ausstellungen, Lesungen, Diskussionen, ein Erzählcafé sowie Raum für thematische Forschung. Zeitzeugen-Videos, historische Dokumentation dieses Ortes der massiven Verfolgung von Jüdinnen und Juden durch Vermittlung in Zwangsarbeit, Exkursionen zu Orten der Zwangsarbeit runden das Bildungskonzept ab.
Prof. Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, hob in seiner Kurzexpertise das „Alleinstellungmerkmal“ des Gedenkortes Fontanepromenade 15 „am Schnittpunkt der beiden Verfolgungskomplexe gegen die Jüdinnen und Juden und gegen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter“ hervor.
Prof. Dr. Wolf Gruner, der das Grundlagenwerk „Der geschlossene Arbeitseinsatz deutscher Juden….“ verfasste, verwies in seiner Einlassung zum Konzept darauf, dass „ unzählige Deutsche in Stadtverwaltungen, Arbeitsämtern sowie Privatfirmen aktiv an der Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung bis 1945 mitwirkten und davon profitierten“ und bot Videos der Shoa Foundation als authentischen Beitrag zur „Schikanepromenade“, der „künftigen Erinnerungsstätte im Herzen Berlins“ an.

Die Senatsverwaltung erklärt, dass eine Finanzierung des Gedenkorts Fontanepromenade 15 im Doppelhaushalt 2018/19 bisher nicht eingestellt sei.

Seit Anfang des Jahres hat der Eigentümer der Initiative einen größeren Teil der Fläche des denkmalgeschützten Gebäudes in der Kreuzberger Fontanepromenade 15, dem authentischen Ort der „Zentralen Dienststelle für Juden“ für eine favorisierte Nutzung als Gedenkort zugesichert.

Wir appellieren weiterhin an den Kultursenator, „sich dafür einzusetzen, dass dieses Gebäude“ umgehend „eine Nutzung erfährt, die seiner historischen Bedeutung gerecht wird“*.

Wir fordern den Senat auf, eine konstruktive Lösung zur Zwischenfinanzierung und Absicherung des Gedenkortes Fontanepromenade 15 nach baulicher Fertigstellung durch den jetzigen Eigentümer – etwa über einen Nachtragshaushalt oder eine andere haushaltstechnische Lösung – anzubieten.

Die Initiative lädt für Dienstag, den 6. Juni 2017 um 19 Uhr zur Vorstellung und Diskussion des Gedenkortskonzeptes in das Nachbarschaftshaus Urbanstrasse in 10961 Berlin-Kreuzberg, Urbanstrasse 21 ein. (ÖPNV: Bus M 41, U 7, Südstern)

Für Rückfragen: Lothar Eberhardt, mobil: 0151 109 42 848, Email: lebgut07@yahoo.de
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* aus dem Offener Brief an Kultursenator Lederer und Bezirksbürgermeisterin M. Hermann Friedrichshain-Kreuzberg vom 29.12.2016
Hintergrundinfos mit Pressespiegel hier: